Wachsleichen - Wenn die Toten nicht verwesen können

Iris ZimmermannDie Forscherin Iris Zimmermann von der Universität in Kiel hat dieses Phänomen untersucht und festgestellt, dass bei über 30 Prozent der Friedhöfe die Verstorbenen nicht oder nur sehr langsam dem natürlichen Prozess der Verwesung folgen können. Im der Regel verwesen die Leichen innerhalb von wenigen Jahren und werden zu Erde. Nur einige Knochenteile können diesen Prozess überdauern. Iris Zimmermann glaubt die Gründe gefunden zu haben.

 

30 Jahre Totenruhe

Im Normalfall wird die Totenruhe nach 30 Jahren beendet und das Grab kann neu vergeben werden. Für die Mitarbeiter eines Friedhofes ist nicht gerade angenehm, wenn diese Gräber erneut ausgehoben werden und ein nur halb verfaulter Sarg zu Tage kommt in dem ein Leichnam liegt, der der natürlichen Verwesung widerstanden hat. Hier bleibt den Gärtnern nur die Alternative, das Grab wieder zu verschließen. Umfragen der Forscherin haben ergeben, dass bis zu 40 Prozent der etwa 33.000 Friedhöfe mit diesem gruseligen Phänomen zu kämpfen haben.

Grundwasser könnte geschädigt werden

Die Forscherin und ihre Kollegen haben 19 Friedhöfe untersucht. Die Gruben wurden ausgehoben und der Boden bis zu einer Tiefe von drei Metern untersucht. Es wurde die Wasser- und Luftleitfähigkeit der Böden überprüft. Zusätzlich wurden im Labor die chemischen Werte der Erde untersucht. Die Untersuchungen ergaben, dass auch eine übermäßige Grabpflege die Mumifizierung der Verstorbenen verursachen kann. Übermäßiges Gießen verstopft die Poren des Bodens und verhindert so den Gasaustausch. Durch diesen Prozess können eventuelle Krankheitserreger, die weitaus länger überleben können und giftige Schwermetalle aus dem Körper in das Grundwasser gelangen. Bei einem normalen Verwesungsprozess ist die Gefahr erheblich geringer.

Richtige Grabpflege hilft

Grabpfleger empfehlen den Angehörigen nach der Bestattung den Boden fest zu treten um das Grab schneller bepflanzen zu können. Davon rät Zimmermann nun ab, da der Sauerstoff nur noch sehr schwer durch die Erde dringen kann. Übermäßiges Gießen sollte vermieden werden. „Zwei Zehn-Liter-Kannen würden ausreichen um ein Grab tagelang unter Wasser zu setzen“, meinte die Forscherin. Ist der Boden zu nass, fehlt ihm der Sauerstoff um den Verwesungsprozess zu beginnen. Weiter kühlt das Wasser die Erde und behindert die Zersetzung. Bei der Bepflanzung sollten langlebige Sträucher und Stauden verwendet werden. Die Wurzeln dieser Pflanzen dringen deutlich tiefer in den Boden ein und entziehen der Erde Wasser. Weiter brauchen diese Pflanzen deutlich weniger Wasser. Diese Dinge werden den natürlichen Prozess der Verwesung unterstützen und dem Leichnam seiner Bestimmung zeitgerecht zuführen.

Zusätzliche Informationen

Ihr eigenes Stadt-/Infoportal