Griff in die Gemeindekasse – Kassenleiterin für über vier Jahre in Haft

Landgericht KielIn einem Zeitraum von über drei Jahren soll die mittlerweile suspendierte Beamtin der Gemeinde Harrislee bei Flensburg sich an der Gemeindekasse bedient haben. Ein Schaden von rund 600.000 Euro ist der Gemeinde entstanden. Heute fällte die Kieler Landgericht das Urteil. Die Beamtin muss für vier Jahre und zwei Monate in Haft. Ihr Verteidiger hat nun angekündigt in die Revision zu gehen.

 

Buchungen verschleiert

Mit dem Urteil des Gerichts blieb dies nur geringfügig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. In dem Zeitraum vom Sommer 2002 bis zum Sommer 2005 hat die Angeklagte durch gezielte Falschbuchungen von Sozialleistungen systematisch ihre Barentnahmen verschleiert, begründete der Richter das Urteil. Mit dieser Methode soll sie monatlich bis zu 20.000 Euro ergaunert haben. Die verurteilte bestreitet jedoch weiter je auch nur einen Cent aus der Gemeindekasse entnommen zu haben. Harrislee gilt als eine der reichsten Gemeinden im gesamten Schleswig-Holstein.

Gemeinde fehlen 2,3 Millionen Euro

Insgesamt hat Harrislee einen Fehlbetrag von rund 2,3 Millionen Euro zu beklagen. Aufgefallen ist das enorme Defizit durch die Umstellung der EDV. Die Beklagte meinte zu ihrem Buchungsverhalten, dass es schon öfter vorgekommen ist, dass es Wochen gedauert habe, bis die Buchungen der Kasse in der EDV erfasst wurden. Dabei hat sie viele Posten pauschal zusammengefasst. Weiter meinte sie nichts davon gewusst zu haben, dass sie jede Buchung hätte einzeln erfassen müssen.

Flossen Gelder in Traberzucht?

Dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, das Geld in der Traberzucht ihres Mannes gewaschen zu haben widersprach die Angeklagte energisch. Wie sie mitteilte habe ihr Mann in diesem Zeitraum 380.000 mit der Traberzucht verdient. Der Großteil der Einnahmen sei dabei in bar geflossen. Im Jahr 2007 kam er jedoch mit seiner Zucht in finanzielle Schwierigkeiten. Zu diesem Zeitpunkt war auch die Beklagte krank geschrieben und die Staatsanwaltschaft hat auch zu diesem Zeitpunkt die Ermittlungen aufgenommen. Der Verteidiger forderte einen Freispruch aus Mangel an Beweisen. Sollte die Revision nicht fruchten, droht der Beamten der endgültige Verlust ihrer Pension.  

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